Kamele, Souks und Corona - Marokko

Etwas mulmig war mir ja schon. Corona war auf dem Weg von China nach Europa und wir auf dem Weg nach Nordafrika. Genauer: Marokko. Von einem Lockdown wollte zu der Zeit noch keiner etwas wissen. Also packten wir fleissig unsere Koffer und wurden pünktlich in der Nacht halb 3 von unserem Flughafentransferservice DHS Brauer in Grimma abgeholt.

Da ich allein mit meinem minderjährigen Sohn geflogen bin, hatte ich wie immer die Bestätigung seines Vaters ausgefüllt und unterschrieben, sowie dessen Ausweiskopie dabei. Bei unseren bisherigen Reisen wurde nie danach gefragt. Weder beim Hin- noch beim Rückflug. Diesmal war es anders. Der Beamte verlangte danach und wie sich kurz danach bei einer anderen Familie herausstellte, hätte es ohne diese Formulare derbe Schwierigkeiten gegeben. Wir empfehlen es in unserem Büro allen Familien oder Großeltern, die mit nur einem oder ganz ohne die Erziehungsberechtigten fliegen. Oft haben wir gehört, dass es nicht nötig gewesen wäre und es gab auch Familien, die das schlicht nicht gemacht haben. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich wirklich nur empfehlen, diese Formulare mitzuführen.

 

Unser Flug ging nach Agadir. Er war mit 4 1/2 Stunden Flugzeit durchaus angenehm. Agadir ist im Verhältnis ein kleiner und sehr schöner Flughafen. Man merkt direkt, dass man sich in Marokko befindet. Schon das einstöckige Flughafengebäude ist sandsteinfarben gestrichen und hübsch verziert. Selbstverständlich durch Sicherheitsleute an jeder Ecke bewacht. Uns hat das nicht gestört - auch wenn der Anblick der stark bewaffneten Männer im ersten Moment etwas schockierte.

Busse, die einem vom Flieger zum Flughafengebäude brachten, suchte man hier vergeblich. Man stand ja mit dem Flieger im Grunde  direkt vor dem Flughafengebäude und lief dann an den provisorischen Absperrungen entlang in die Ankunftshalle. Dort gab es ein ziemliches Gewusel. Jeder Neuankömmling hatte einen Zettel auszufüllen, mit persönlichen Angaben und der Hoteladresse in Marokko. Hier spürte man schon, dass der COVID-19 einiges verändert hatte. Diese Unterlagen wurden mehrfach geprüft und irgendwann bekam man den Einreisestempel in den Reisepass. Eine Einreise mit dem Personalausweis ist in Marokko bei Fluganreise nicht möglich.

 

Ich habe es mir bei meinen vielen Reisen angewöhnt, ein kleines Startbudget am Flughafen direkt zu tauschen. Das hatte sich bisher durchaus bewährt. Im Nachgang wäre das in Marokko jedoch nicht unbedingt notwendig gewesen. Wie sich heraus stellte, konnte man fast überall auch mit Euro bezahlen. Nur in den Souks und in kleineren Geschäften nimmt man gern auch die Marokkanischen Dirham.

 

Marrakesch - Tradition und Moderne

 

Wir hatten eine Kombination aus 3 Nächten Marrakesch und 4 Nächten in Agadir gebucht. So brachte uns der Bus von Agadir erstmal nach Marrakesch. Mir war bewusst, dass es wirklich eine weite Strecke ist. Aber ich war überrascht, wie lang sich diese Strecke zog. Insgesamt waren wir 4 1/2 Stunden noch zusätzlich zur Fluganreise unterwegs. Erst am frühen Abend erreichten wir unser gebuchtes Hotel Labranda Rose Aqua Parc**** in der Neustadt von Marrakesch.

Was wir bisher aus dem Bus gesehen hatten, hat mich nicht überrascht. Anfängliche, rotbraune Berge wechselten in schier unendliche Steppen und Felder. Erst ein paar kleinere Häuser bis hin zu einzelnen Villen ließen, nach ca. 3 1/2 Stunden Fahrt, Zivilisation vermuten. Vereinzelte Ziegen und deren Hüter hatten es sich im Schatten der wenigen Bäume gemütlich gemacht. Die augenscheinliche Gelassenheit der Menschen hatte mich begeistert.

Die Besiedlung wurde dichter und die Urbanisationen waren - sagen wir - liebevoll "verwurschtelt". Vorbei an Bauruinen (oder lebte dort vielleicht wirklich jemand?) und kleinen Bauernhöfen bis hin zu den ersten Vororten.

Das erste Hotel, das unser Bus anfuhr, ließ mich etwas erschaudern. Rings um das Hotel gab es nur reine Industrie. Offenbar ein Sägewerk und diverse Werkstätten hatten sich dort niedergelassen. Für das deutsche, aufgeräumte Auge ein echte Herausforderung. Es schien alles eher unübersichtlich und zwischen den einzelnen Firmen stapelte sich der Müll. Ich war entsetzt. Hier soll man Urlaub machen? Da Marrakesch im Inland liegt, gibt es ja noch nicht einmal einen Strand in der Nähe, an den man hätte "fliehen" können. Fairer Weise muss man dazu sagen, dass ich ausschließlich den Anfahrtsweg zu dem Hotel gesehen hatte. Auf der Rückreise fragte ich neugierig einige Mitreisende, ob sie sich in dem Hotel wohlgefühlt hatten. Dies wurde einstimmig mit "Ja!" beantwortet. Offenbar hat die Ausstattung und der Service des Hotels die etwas unglückliche Lage wett gemacht. Dennoch kann ich nur jedem empfehlen, ein Hotel zu buchen, das zentraler liegt. In der Neustadt von Marrakesch gibt es viele gute Hotels und die Wege zu den Hotspots der Stadt sind wesentlich kürzer. Wer es eher ursprünglich mag, ist in den Riads der Stadt bestens aufgehoben.

 

Unser Hotel lag in der Neustadt Marrakeschs. Ein absolutes Kontrastprogramm zu den Urbanisationen! Der Stadtteil wird seinem Namen absolut gerecht! Moderne Architektur vermischt sich mit marokkanischem Charme und ergibt alles in allem ein wirklich schönes Bild. Mein bereits erwähntes, aufgeräumtes, deutsches Auge strahlte bei dem Anblick! Das Labranda Rose Aqua Parc**** liegt direkt an einer 4-spurigen Hauptstraße. Diese ist nebst Hotels gesäumt von Geschäften, Boutiquen, Restaurants und allem, was das Shoppingherz begehrt. Eine prächtige Promenade trennte die Straße in der Mitte. Palmen, bunte Blumenbeete, wundervolle Laternen und Springbrunnen zierten die Fußwege. Es gab auch Kunst in Form von Statuen zu bewundern. Da ich leider wenig Ahnung von moderner Kunst habe, erspare ich Euch weitere Ausführungen dazu.

Unser Hotel empfing uns sehr freundlich. Die Lobby war - passend zum Umfeld - modern und dennoch mit dem typisch marokkanischen Flair ausgestattet. Die runden Tische schmückten wunderschöne Mosaike und die gemütlichen Sessel luden zum Verweilen ein.

Es wurde Deutsch gesprochen von den Reiseleitern. Aber Englisch war ihnen lieber - Französisch sprachen alle. Zumindest das Englisch war für uns kein großes Problem und so konnten wir bald auf unser Zimmer.

In der ersten Etage des Hotels wurde gebaut. Die Zimmer waren dort völlig entkernt und der Baulärm war überall zu hören. Bohren, Hämmern, Sägen - das volle Programm.  Auch in unserem Zimmer war bei Ankunft noch ein Maler zugange, der etwas ausbesserte und schnell von dem Zimmermädchen vertrieben wurde. Fix noch einmal durch gewischt und wir konnten unser Zimmer beziehen. Die Zimmer waren freundlich und, wider meiner Erwartung bei dem hektischen Treiben im Vorfeld, wirklich sauber. Der unvollständige Malerfleck hat uns nicht gestört. Viel mehr haben wir uns nach der langen Anreise über den riesigen Obstteller, die Kekse und das Wasser gefreut, was für uns bereit gestellt wurde. Mal ehrlich - die Kekse dort sind er Wahnsinn! 

Schnell das WLAN gecheckt (Jugendlichen ist das sehr wichtig!) und dann ab aufs Bett und nur ganz kurz die Augen zu. Ausruhen. Leider bohrte sich - im wahrsten Sinne des Wortes - recht bald ein unangenehmes, lautes Geräusch in unsere Ohren. An Schlaf war da nicht mehr zu denken. Es ist Vorsaison und ich weiß aus meiner Erfahrungen, dass diese Zeiten gern genutzt werden, um Renovierungsarbeiten an den Hotels vorzunehmen. In den kommenden Tagen stellte sich glücklicherweise heraus, dass die lauten Bauarbeiten in der Tat erst ab 10 Uhr bis abends 20 Uhr stattfanden. Somit war zumindest die Nachtruhe gerettet. Ein Mittagsschläfchen auf dem Zimmer war allerdings aussichtslos.

So begab ich mich mit meiner Kamera auf Besichtigungstour durch das Hotel. Bis auf den Baulärm und die abgesperrte erste Etage, stand es sehr gut da. Gepflegt, schön ausgestattet und wirklich, wirklich sauber bis in die letzten Ecken (und ich bin echt penibel!). Der Wellness- und SPA-Bereich wartete mit recht günstigen Angeboten auf, bei denen ich einfach nicht Nein sagen konnte. Auch habe ich für uns in dem hoteleigenen Reiseleiterbereich 2 Ausflüge gebucht. Passend zum Alter meines Sohnes eine Quad- und Kameltour durch die Wüste und einen Soukspaziergang durch die Altstadt Marrekeschs zum berühmten Djemna el Fna (Gauklerplatz). Alles in allem haben wir uns dort sehr wohl gefühlt und uns die gute Küche (absolut lecker!) schmecken lassen. Den Aqua Parc haben wir nicht groß genutzt.

 

Kamele, Quads und unendliche Wüste

 

Schon am nächsten Tag ging es für uns zu der gebuchten Kamel- und Quadtour. Dort ein klassischer Ausflug, den man noch mit einem Wüstenabend mit Barbeque und Show verbinden kann. Da wir Halbpension gebucht hatten, haben wir uns nur für die Touren entschieden. Ein kleiner Bus brachte uns und unsere französischen Mitreisenden in die ausserhalb liegende Wüste. Dort erwartete uns eine völlig andere Welt. Wie ein kleines Beduinendorf mit Teppichen, kleinen Tischen und ganz viel Tee war es hergerichtet. Zauberhaft, wie ich fand. Es war nicht viel los, was sicher auch an der Saisonzeit lag. Wir wurden eingewiesen und mussten für 7 EUR noch ein langes Tuch kaufen, welches sich später als absolut notwendig heraus stellte. Schade, dass uns das keiner gesagt hatte, da hätten wir eines mitgenommen. Aber was soll's. Man ist ja im Urlaub. Das Tuch wurde uns fachmännisch um den Kopf gewickelt und nun sahen wir aus, wie echte Wüstenentdecker! Und schon ging es mit den Kamelen los. Der Guide war superlustig und es hat wirklich einen riesen Spaß gemacht, auf den Tieren gemütlich durch die Steinwüste zu schaukeln. Ja - es ist eine Steinwüste. Wer die romantische Vorstellung von Sanddünen und einer Oase hat, wird zumindest in der Nähe von Marrakesch nicht fündig. Das tat der Sache aber so gar keinen Abbruch! Wir waren die (Kamel-) Könige der Welt!

Eine knappe Stunde später waren wir wieder zurück in der gemütlichen Herberge. Uns wurde Tee angeboten, was wir aber aufgrund der Temperatur dankend ablehnten. Ich nutzte die Wartezeit, um ein paar Bilder zu schießen. Dazu sei zu sagen, dass man die Marokkaner immer - wirklich immer - fragen sollte, wenn man sie fotografieren will. Vor allem bei der kommenden Tour durch die Souks wurde das noch einmal Thema. Aber dazu später.

Es gesellten sich noch einige Besucher dazu und einige Minuten später wurden wir zur gebuchten Quadtour eingeladen. Jeder bekam einen Helm, der über das Tuch gestülpt wurde. Ich bin selber Motorrad gefahren und dadurch durchaus geübt im Helm tragen. Aber mit dem Tuch darunter war es wieder eine ganz andere Liga. Jedoch gerade bei der Quadtour ist das Tuch unumgänglich, wenn man sich keine Staublunge holen will.

Die Quads wurden kurz erklärt und es war wirklich nicht schwer, diese 4-rädrigen Gefährte vorwärts zu bewegen. Nach einer kleinen Proberunde ging es dann auch schon los. Was für ein Gaudi ist das denn bitte?! Du meine Güte! Wir feuerten über kleine Berge, Täler, durch Minioasen und einmal auch in einen Busch. Letzteres war nicht geplant und stoppte unsere Tour kurzzeitig. Das Quad aus dem Busch gezogen, wieder drauf gesetzt und weiter ging es. Ich hatte wirklich selten so viel Spaß! Danach sah man zwar aus, wie ein Wüstenfuchs, und war sehr ins Schwitzen gekommen, aber es hatte sich absolut gelohnt!

 

Eingestaubt und durchgeschwitzt haben wir für 7 € noch ein Foto von unserer Quadtour gekauft und wurden dann von einem unglaublich netten Taxifahrer zurück ins Hotel gebracht. Mit gebrochenem Englisch hat er uns einiges erklärt. So war z.B. an diesem Abend in den Straßen der Vororte von Marrakesch ein Straßenfest zugange. Viele Leute waren unterwegs. Familien die teilweise zu 5. auf einem Mofa saßen. Die Straße war gebrochen voll und wir standen dadurch im Stau. Was mir wieder die Gelegenheit gab, das ein oder andere Foto zu schießen.

Hungrig ging es für uns im Hotel direkt zu dem leckeren Abendbuffet und danach sofort ins Bett. Am nächsten Morgen hatte ich meine Wellnessanwendungen und am Nachmittag gab es die Souktour. Also viel vor.

 

Die Souks von Marrakesch

 

Die Wellnessanwendungen haben sehr gut getan. Auf dem Weg in mein Zimmer erlebte ich jedoch eine feuchte und weniger schöne Überraschung. Offenbar hat es bei den Bauarbeiten einen Wasserrohrbruch gegeben, so dass die komplette 1. Etage unter Wasser stand. Glücklicherweise befand sich unser Zimmer in der 2. Etage und so waren wir in keinster Weise beeinträchtigt. Im Foyer sah man überall kleine Eimer stehen, die das tropfende Nass von der Decke auffangen sollten. Jetzt haben mir die Mitarbeiter des Hotels leid getan. Sie flitzten von einer Ecke zur anderen und versuchten den Schaden so gering wie möglich zu halten. Eines muss man ihnen wirklich lassen: sie waren unentwegt in Bewegung.

Entspannt begaben wir uns am frühen Nachmittag mit dem Bus in die nahe Altstadt von Marrakesch. Bisher war alles eher gemächlich abgelaufen. Die Altstadt sollte das korrigieren. Mitten in einem Souk stiegen wir aus und folgten unserem Guide tief in das Gassenlabyrinth der Souks. Ich war heilfoh, einen Guide zu haben, denn bei meinen mangelnden Koordinationsfähigkeiten hätten wir da wohl nie wieder raus gefunden.

Es ist eine Welt, die seinesgleichen sucht. Gefühlt tausend verschiedene Gerüche mischten sich mit den Abgasen der permanent durchschlängelnden Mofas. Lautes Stimmengewirr, Hupen und tausend Menschen versetzten mich innerhalb kürzester Zeit in einen Kulturschock. In meiner Kleinstadt Grimma geht es da erheblich ruhiger zu. Auch wenn ich durchaus in einer Großstadt aufgewachsen war, hatte mich dieses wilde Treiben im ersten Moment umgehauen. Die Menschen und Mofas drängten sich dicht an dicht. Hier interessierte sich definitiv niemand für Hygiene oder Mindestabstand bezüglich der aufkommenden Corona Pandemie. Einige Gassen und Winkel später wurde es ruhiger. Und ich konnte endlich verstehen, was den berühmten Zauber der Souks ausmacht. Bunte, glitzernde Stände, Handwerker, die auf den Wegen oder in einer Ecke ihrer kleinen Ladengeschäfte ihre Kunstwerke herstellten. Aus allen Ecken wird man angesprochen: "Madam! Madam!" Man lernt es zu ignorieren. Auch hilft es, wenn man (frau) freundlich aber bestimmt ein "No!" den Leuten entgegen ruft und weiter geht. Freundlich waren sie zu jeder Zeit! Fotos zu schießen ging nur mit vorheriger Genehmigung der Person. Die einen eher mürrisch, die anderen wieder freundlich lachend und winkend. Aber nie - wirklich NIE - ein Foto machen, ohne vorher zu fragen!

Unser Guide führte uns in eine kleine Gewürz- und Kosmetikmanufaktur ganz versteckt in einem der Winkel der Souks. Die Herrschaften waren auf deutsche Gäste eingestellt und sprachen sehr gut Deutsch. Unsere Gruppe wurde geteilt - die Franzosen in einen Raum und die Deutschen in einen anderen. Es folgte ein Vortrag über das wunderbare Arganöl, diverse Cremes, Gewürze und Duftsteine, die in Marokko zu Hochzeiten u.ä. verschenkt werden. So erfuhr ich auch, dass es gerade bei dem Arganöl Unterschiede gibt. Das dunkle Arganöl, welches fast überall verkauft wird, wurde aus gerösteten Argankernen hergestellt. Es eignet sich eher zum Kochen, als für Kosmetik. Das hellere Öl (ungeröstete Argankerne) sollte besser für kosmetische Zwecke genutzt werden. Schon allein diese Argankerne aus den Früchten zu gewinnen, ist ein unglaublicher Aufwand und wird bis heute noch in liebevoller Handarbeit vornehmlich von Frauen erledigt. Die Marokkaner nutzen das Öl hauptsächlich zum Kochen und als Sonnen- und Hautschutz. Auch für die Haare soll es gut sein

Ich habe mir eine kleine Flasche des hellen Öls gegönnt und tatsächlich - trotz meines hellen Hauttyps - den restlichen Urlaub kaum Sonnenmilch genutzt. Es gab keinen Sonnenbrand. Aber ich habe auch darauf geachtet mich nicht unnötig lange der Sonne auszusetzen. Denn diese brannte für Februar schon mächtig.

Für die Haarpflege empfiehlt es sich, vorher mit dem Öl das Gesicht einzureiben und nur mit den verbleibenden Resten an den Händen kurz die Haare zu streifen. Viel mehr braucht es nicht und führt zur unnötigen Verfettung der Haare. Zumindest bei mir.

 

Der berühmte Djemna el Fna

 

Unsere Tour führte uns schließlich auf den Djemna el Fna. Den berühmten Gauklerplatz Marrakeschs. Wie aus dem Nichts eröffnete er sich plötzlich vor uns. Gerade noch in einer schmalen Gasse voller Dinge und Gerüche, und schon stand man auf diesem weiten Platz. Es war früher Abend und einige der "Tagesstände" wurden abgebaut. Sie wichen den abendlichen "Küchenständen", die - jeweils numeriert - alles nur denkbar Mögliche an Gaumenfreuden für die Besucher bereit hielten. Auch die typischen fliegenden Händler mit ihren Sonnenbrillen, T-Shirts und dressierten Tieren waren überall zu sehen. Sowie auch zu erleben. Diese Händler waren für uns wirklich eine Herausforderung. Sprachen sie einen doch untenwegt an und liefen uns sogar hinterher. Das ist nicht jedermanns Sache - auch nicht meine. So haben wir uns in eines der kleinen Cafés am Rande des Platzes zurück gezogen, und einen super leckeren Kaffee und frisch gepressten Orangensaft getrunken. Für meinen Sohn gab es sensationelle Pancakes mit frischem Obst. Die Preise sind, im Verhältnis zu Deutschland, mehr als human. Wir bekamen auch Besuch von einer jungen Schönheit mit Smaragdaugen. Eine kleine Straßenkatze. Etwas zerzaust, aber wunderhübsch. Und auf einmal konnte ich jeden verstehen, der sich versucht fühlt so einen Streuner mit nach Hause zu nehmen! Sie hatte unser Herz im Sturm erobert.

So beobachteten wir das wilde Treiben auf dem Platz. Touristen, die fröhlich mit den Händlern feilschten (ich habe wirklich den höchsten Respekt vor jedem, der das kann!) und die wachsende Küchenstandflut. Auch hier gilt: keine Fotos ohne vorherige Genehmigung! Viele wollen dafür Geld haben. Also nur nicht auf die Idee kommen, die Schlangenbeschwörer o.ä. einfach zu knipsen. Da können sie sehr ungehalten werden und sie treten fast immer in Gruppen auf. Wenn man nicht aufpasst, hat man auch schnell mal eine Schlange um den Hals und wird angehalten sich fotografieren zu lassen. Danach dann die böse Überraschung - umgerechnet 20 € wollen sie haben. Also schön vorsichtig von solchen Gruppen fernhalten, wenn man - wie wir - weder Talent zum Handeln besitzt, noch solch ein Foto unbedingt in seinem Urlaubsalbum haben möchte.Wenn man gern ein Bild mit solch einer riesigen Schlange, einem Affen oder ähnlichem haben möchte - bitte unbedingt vorher über den Preis verhandeln!

 

Eine kleine Runde durch den "Küchenstanddschungel" sollte schließlich unseren Aufenthalt beenden. Am Abend soll dieser Platz mit seinen Gauklern und den vielen beleuchteten Ständen noch sensationeller sein, als am Tage. Uns blieb das leider verwehrt, aber ganz ehrlich: wir waren auch fix und foxi inzwischen und echt froh, als es wieder ins Hotel ging.

Sonne und Meer - Agadir

 

Am nächsten Morgen stand der Umzug nach Agadir an. Mir graute es vor der langen Strecke - waren wir sie bei der Anreise ja bereits gefahren. Diesmal waren wir jedoch gut vorbereitet mit diversen Spieleapps auf Handy und Tablet, sowie ausreichend Lesestoff. Der Bus war angenehm klimatisiert und zeitweise übermannte uns sogar ein Schläfchen. So kamen wir relativ entspannt in Agadir an.

 

Als wir unser Hotel LABRANDA Les Dunes D'Or**** betraten, war die Lobby voll. Innerlich stellte ich mich auf eine lange Wartezeit ein, die uns mit dem freundlichen Hinweis, dass es gerade Mittagstisch gibt, verkürzt wurde. Koffer abgestellt und ab ins Restaurant. Hier war was los! Der Speisebereich bestand aus mehreren Separees, die sich um den Buffetraum verteilten. Pro Separee ca. 50-70 Sitzplätze. Die Lösung fand ich gut, da es dadurch in den einzelnen Räumen nicht zu laut war. Vergeblich suchte ich nach einer Terrasse, da ich gern im Freien esse. Gerade wenn das Wetter so schön ist (26 Grad und Sonnenschein). Leider ohne Erfolg - es gab keine Speiseterrasse. Also setzten wir uns an einen freien Tisch für zwei. Zugegeben - ich war enttäuscht. Unser Tisch war zwar - im Gegensatz zu vielen anderen leerstehenden Tischen - abgeräumt, aber einen Lappen o.ä. hatte er lange nicht mehr gesehen. Auf den Nachbartischen stapelte sich das dreckige Geschirr, dass offenbar die Gäste von ihren Tischen einfach zur Seite geräumt hatten, um essen zu können. Es gab Kellner, die auch flink wie die Wiesel waren, aber einfach viel zu wenige für die Masse an Gästen. Auch das Buffet war teilweise wie leergefegt. Angesichts der Uhrzeit, hat es mich aber nicht verwundert. Was das Essen anbelangt, waren wir durchaus von unserem Hotel in Marrakesch verwöhnt. Da konnte dieses Hotel leider nicht mithalten. Jedoch sind wir immer satt geworden.

Wie wir in den kommenden Tagen noch feststellen sollte, gab es bezüglich der Umstände beim Essen wenig Verbesserung. Ausser, dass man noch ein volles Buffet antraf, wenn man rechtzeitig da war. Da war insgesamt aber durchaus noch viel Luft nach oben!

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, begab ich mich auf eine "Sitghtseeingtour" durch die Anlage. Und hier hat sie mich absolut überrascht! Sie war super gepflegt mit toller Bepflanzung und noch viel schöneren Blumen. Ausnahmslos sauber (ganz im Gegenteil zu dem Speisesaal) und vor allem: direkt am Meer! Nur die Promenade von Agadir trennte das Hotel vom langen und breiten Sandstrand Agadirs. Traumhaft, kann ich nur sagen! Eine kleine Hotelterrasse oberhalb der Promenade lud zu einem gemütlichen Kaffeetrinken ein, während man den Möwen beim Krakelen zuhören und den salzigen Wind sich um die Nase wehen lassen konnte. Diese Terrasse hat mich in den kommenden Tagen sehr oft gesehen.

 

Agadir selbst ist ein großer Ort. Wir befanden uns in der Hotelzone, die einmal aufgrund der Vorsaison, und zum anderen sicher auch wegen der aufkommenden Corona Pandemie eher wenig besucht war. Die Promenade war sehr lang und es ließ sich wunderbar schlendern. Auch hier wurde man angesprochen, was aber im Verhältnis zu dem Djemna el Fna in Marrakesch eher verhalten war. Wer morgens gern shoppen gehen möchte, wird hier enttäuscht. Die meisten Läden öffnen zwischen 11 und 14 Uhr. Durch einen witzigen Zufall und dank sozialer Medien habe ich vor Ort noch 2 andere Reisefeen kennengelernt, die wie wir ihren Urlaub dort verbrachten. Gemeinsam haben wir in den einzelnen A la carte Restaurants des Hotels gegessen (eine sehr gute Alternative zu dem Buffetrestaurant! Nur bitte rechtzeitig reservieren! Keine Zuzahlung bei gebuchtem All Inclusive), lagen am Strand, gingen auf Fotojagd bei Sonnenuntergang und waren auch mal shoppen. Ich war dankbar, dass eine von ihnen eine begnadetet Feilscherin war, die für den Rest der Gruppe immer die Verhandlungen führte. An dieser Stelle noch einmal danke dafür!

 

Die nächsten Tage verbrachten wir also mit Faulenzen und Essen. Am Strand gab es immer wieder fliegende Händler, die hinter der Absperrung unseres Sonnenschirmareals (ebenfalls im Preis) ihre Waren anboten. Auch war ein hervorragender Masseur dabei. Unter uns: ich hätte es mir nie getraut, mich von ihm massieren zu lassen. Aber meine Begleitung war da ganz anders. Und als ich sah, wie toll er das gemacht hatte, fasste ich auch allen Mut zusammen und habe mich für 10 € ganze 45 Minuten durchkneten lassen. Danach war ich ein anderer Mensch! Was hat das gut getan!

Im Hotel hatte ich von Deutschland aus schon ein paar Wellnessanwendungen gebucht. U.a. auch eine Massage. Die Vorbuchung kann ich auch jedem nur wärmstens empfehlen, da die Preise des Hotel - SPAs vor Ort doppelt so hoch waren. Dennoch: die Massage am Strand war wesentlich besser, als die im Hotel!

Generell war ja irgendwie jeder Kellner, Mitarbeiter und auch fliegender Händler schon mal in Deutschland gewesen und hat hier wahlweise studiert oder gearbeitet. Kurios, aber irgendwie eine witzige Art, Kontakt zu den deutschen Urlaubern zu finden. Ich habe es mit Humor genommen. Auch hier waren sie ausnahmslos freundlich und wenn man sich etwas Zeit nimmt und vielleicht für 2 Euro eine Kleinigkeit kauft, lernt man viel über die Menschen in Marokko. Die Mentalität und das Leben.

 

Am Strand tummelten sich auch viele Windsurfer. Kein Wunder, denn es ging wirklich ein starker Wind. So sah man auch überall Buden, bei denen man Surfen lernen und entsprechendes Equipment mieten konnte. Es war ein absolutes Schauspiel, den Sportlern dabei zu zusehen, wie sie auf den teilweise riesigen Wellen entlanggleiteten und waghalsige Sprünge vollbrachten.

Im Wasser war ich genau einmal - und das bis zu den Knien. Ich bin eine unglaubliche Frostbeule und 17 Grad Wassertemperatur war mir eindeutig zu kalt. Andere Urlauber waren da erheblich tapferer und stürzten sich in die Fluten.

Alles in allem ein typisches Strandleben, was hier zu beobachten war. Kinder, die im Sand spielten und Burgen bauten. Junge Leute, die Fuß- oder Volleyball spielten. Verliebte Pärchen und Sonnenanbeter. Strandurlaub, wie er sein sollte. Sorglos, sonnig, warm und mit dem wundervollen Geruch von Salz und Sonnenmilch in der Luft. Ich liebe es!

 

Gern hätten wir auch noch einen Ausflug nach Essaouira gemacht. Ein Küstenort und ein Mekka für Künstler mit einer herrlichen Altstadt. Man sagt, dass man dort noch das ursprüngliche Marokko kennenlernen kann. Bucht man diesen Ausflug schon von Deutschland aus (günstiger), ist jedoch das Essen nicht inkludiert. Im Endeffekt zahlt man dann mit der Zuzahlung des Essens genau so viel, wie vor Ort. Dieser Ausflug geht einen ganzen Tag und ist für jeden Kulturinteressierten ein Muss in Marokko. Leider war uns das aus gesundheitlichen Gründen nicht vergönnt (es war nicht Corona!), was ich sehr schade fand. Den Berichten zufolge, war er sehr anstrengend, aber lohnenswert.

 

Abschließend sei zu sagen, dass Marokko ein unglaublich facettenreiches Land ist. Was sich zumindest zu unserer Reisezeit noch recht wenig um Corona scherte. Gerade aufgrund seiner Vielfalt aus Tradition und Moderne, sollte man dieses Land nicht mit anderen nordafrikanischen Ländern gleich setzen. Die Mentalität ist sicher anders als bei uns. Aber da ist dann auch jeder für sich selbst mal gefragt, wie offen und tolerant er / sie damit umgehen kann oder möchte. Alles in Allem haben wir unglaublich viele Eindrücke mit nach Hause genommen und ich möchte sie nicht missen.

 

In diesem Sinne: Bslamah al-Maghrib! (Tschüss Marokko!)

 

 

Anja Schwartz

 

Fotos: (c) Oculis Amari - Fotografie von Anja Schwartz

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