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Kreta in Coronazeiten

Maskierte Anreise

Ein komisches Gefühl war es schon, als wir mit Gesichtsmaske im Transfertaxi zum Flughafen saßen. 3 Stunden vor Abflug solle man nun da sein. Das haben wir berücksichtigt und das war auch gut so! Natürlich, war nicht so viel los auf dem Leipziger Flughafen, wie man es vielleicht kennt. Das hatte aber durchaus auch seine Vorteile.

Ja - man muss die Maske tragen, sobald man das Flughafengebäude betritt. Und dem kamen auch alle nach. Hatte man keine Maske dabei (so ganz verinnerlicht haben wir das sicher noch nicht alle), konnte man sich an einem kleinen Automaten - der an die früheren Kaugummiautomaten erinnerte - durchaus eine Maske ziehen. Desinfektionsmittel gab es überall ausreichend.

 

In der Annahme, noch genügend Zeit zu haben, begaben wir uns auf eine Schlendertour durch das Flughafengebäude. Das Bistro in der Check In Halle hatte geschlossen, so war das die einzige Möglichkeit, sich etwas die Zeit zu vertreiben. Entgegen der bekannten Geschäftigkeit der "Ladenzeile", war die Hälfte der Geschäfte geschlossen, oder sogar schon leer. Als wir im Februar zum letzten Mal hier waren, sah das noch ganz anders aus. Traurig anzusehen und sicher eine Folge der Coronazeit.

 

Gerade am Ende der Ladenzeile angekommen, wurde unser Flug schon zum Check In aufgerufen. 2 1/2 Stunden vor Abflug. So begaben wir uns brav zum Check In der Freebird Airline.

 

Die Schlangen waren erwartet länger, als bisher. Der Mindestabstand sorgte dafür. Ich war fast ein bisschen stolz, wie gut sich alle daran gehalten haben. Es ging zügig voran. Die Reisenden mussten an der Plexiglasscheibe am Check In nur den Ausweis und den für die Einreise benötigten Nachweis über die Online Registrierung für Griechenland vorhalten. Und das war's. Elektronisches Ticket sei Dank! Vielen ist das möglicherweise kein Begriff - aber seit einigen Jahren durchaus Normalität. Man erhält nur noch einen Nachweis über die Buchung - kein konkretes Ticket mehr - und kann dann einfach mit Ausweis / Pass einchecken.

 

Die Sicherheitskontrollen waren sehr sorgfältig. Aber Fieber wurde nicht gemessen. Zumindest haben wir davon nichts mitbekommen.

 

Die Freebird hatte das Boarding clever gelöst. Bereits beim Check In erhielt man eine "Zone" - eine Boardinggruppe, die nach und nach zum Boarding aufgerufen wurden. Dadurch ging das absolut reibungslos und vor allem auch schnell vonstatten. So sind wir überpünktlich abgeflogen.

 

Auch im Flieger bestand Maskenpflicht und je nach Auslastung der Maschinen, wurden die 3er Reihen nur mit je 2 Passagieren besetzt. Es erwartete uns ein absolut angenehmer Flug und es gab - gegen Gebühr - auch kleinere Snacks und Getränke. Einzig der gewohnte Bordshop mit den üblichen Parfüms, Zigaretten und Spirituosen wurde nicht betrieben.

 

In Heraklion angekommen, war der Flughafen erschreckend leer. Direkt nach Betreten des Flughafengebäudes wurden die Einreiseformulare kontrolliert. Und ja - es wurden auch 3 Personen raus gezogen und zum Test gebeten. Bei denen handelte es sich aber um Personen, die offensichtlich nicht die erforderliche Online Registrierung hatten, sondern nur ein per Hand ausgefülltes Formular. Berichten zufolge, wurde bei diesen Personen der Test gemacht, sie durften dann aber in ihr gebuchtes Hotel weiterreisen und sollten sich in dem Hotel in eine selbst kontrollierte Quarantäne für 24 Stunden begeben.

 

Uns betraf das nicht. Unser Zettel mit dem vielberufenen QR-Code wurde nur kurz begutachtet und dann durften wir weiter gehen. Da unser Flieger wohl der einzige war, der in der Zeit landete, ging es auch mit den Koffern entsprechend schnell und ruckzuck saßen wir in unserem Kleinbus Richtung Kretas Süden. Genauer: Agia Galini.

 

 

Familiengeschichten

Angekommen in unserem kleinen und feinen Hotel Villa Maxine***, hatte uns die Dämmerung schon eingeholt. Wir wurden bereits am Eingang empfangen und unser Gepäck glücklicherweise zur Rezeption hoch gefahren. Das Villa Maxine hat einen wundervollen Meerblick über die Bucht von Agia Galini. Das bedingt jedoch auch eine Hanglage und man kann entweder Treppen oder einen steilen Weg hoch zur Rezeption nehmen. Da waren wir wirklich sehr dankbar, dass wir unsere Koffer nicht noch tragen oder ziehen mussten.

 

Pflichtbewusst, wie wir so sind, haben wir dann mit Mundschutz die Rezeption betreten. Ein Blick durch den modernen Raum mit einigen Urlaubern machte uns jedoch sehr schnell klar, dass der hier nicht notwendig war. Alle Gäste bewegten sich ohne Mundschutz in der Lobby. Die Sitzgelegenheiten wiesen einen entsprechenden Abstand aus und so kam man sich nicht in die Quere. Das Personal jedoch, trug ausnahmslos Mundschutz. Es wurde fast ausschliesslich Englisch gesprochen. Wie es sich später noch herausstellen sollte, ist das im Süden Kretas die gängigste Verständigungssprache für Nicht-Griechen. Das kannte ich vom Norden durchaus auch anders. Für uns stellte das aber kein Problem dar und so hatten wir recht schnell unser wundervolles Zimmer bezogen. Modern, stilvoll, frisch renoviert und mit einer riesigen Terrasse erwartete uns unser Superior Doppelzimmer (in dem Hotel ist die Superiorvariante absolut empfehlenswert!). Auf der Terrasse gab es Sonnenliegen sowie einen kleinen Tisch mit 2 Stühlen. Von dem herrlichen Meerblick ganz zu schweigen. Eine Flasche Wein (die ich im Vorfeld bestellt hatte) und ein kleiner selbst gepflückter Blumenstrauß setzten dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen oben auf.

 

Das Hotel Villa Maxine*** ist ein Familienbetrieb. Man merkt es zum einen an der persönlichen Betreuung und zum anderen daran, dass offenbar die komplette Familie es betreibt. Die 2 Schwestern der Familie haben es von ihrem Vater Kostas übernommen und führen es jetzt gemeinsam. Sie hatten ihren hoteleigenen Wein und Kostas hat regelmässig seinen eigenen Raki hergestellt.
Leider ist einige Tage vor unserer Ankunft der Vater Kostas verstorben. Die Familie war in Trauer, was man als Gast aber so gar nicht bemerkte. Nur wenn man ganz genau hinsah, haben die Schwestern das ein oder andere Tränchen verdrücken müssen. Dennoch waren Sie ausnahmslos freundlich und immer für jedes Anliegen da. An dieser Stelle noch einmal mein herzlichstes Beileid an die Familie und danke, dass ihr uns trotz des tragischen Verlustes einen so wundervollen Urlaub ermöglicht habt!

 

Das Restaurant des Hauses war direkt an die Lobby angeschlossen. Eine kleine Terrasse bot einen herrlichen Meerblick und so haben wir uns entschlossen für 10 € p.P. (exklusive Getränke) im Hotel zu Abend zu essen. Es gab ein Vor- und Nachspeisenbuffet, bei dem man hinter Plexiglas bedient wurde. Sowie als Menüwahl ein Hauptgericht. Man muss dabei beachten, dass es sich um ein kleines Hotel handelte, weshalb die Buffets insgesamt auch eher klein ausgefallen sind. Aber es war immer frisch und sehr lecker.

Wunderschönes Agia Galini

Agia Galini ist ein kleinerer Ort im wilden Süden Kretas. In den Hang gebaut, weshalb man durchaus auch gut zu Wege sein sollte. Es gab 2 Strandabschnitte mit Sand- Kiesstrand, die von den umliegenden Bergen wie eingerahmt erschienen. Ein toller Blick! Auf einem der Berge konnte man sogar noch Schneefelder erkennen.

 

Eine kleine Brücke verband beide Abschnitte und die jeweiligen, wirklich hübschen Strandpromenaden. Sogar eine Einstiegshilfe ins Meer für Rollstuhlfahrer gab es. Man kann in dem Ort ganz gut mit dem Rollstuhl zurecht kommen. Treppen gibt es, aber auch immer Möglichkeiten, diese zu umgehen. Jedoch sollte man über Einiges an Muskelkraft verfügen, da es teilweise sehr steil zuging.

 

Es gibt einen kleinen Yachthafen, von dem aus Bootsausflüge angeboten werden. Nur leider nicht während unserem Aufenthalt. Die Coronazeit hat ihre Spuren hinterlassen und so war nur ein Teil der Geschäfte überhaupt geöffnet. Wie in fast allen touristischen Orten, waren die Preise an den Promenaden und dem Hafen erheblich höher, als im hinteren Teil des Ortes. Da lohnt sich ein Spaziergang sicher, auch wenn man dafür auf den herrlichen Blick auf das Meer und die vorgelagerten „Elefanteninseln“ (von Agia Galini aus gesehen, wirken die Inseln wie ein riesiger Elefant, der im Meer steht)  verzichten musste.

 

Wir haben uns in der sonnengelben Taverne „Ilios“ (übersetzt: Sonne) sehr wohl gefühlt! Die Preise waren mehr als angenehm (7 € ein Hauptgericht) und es war typisch griechisch. Der Wirt Manolis ist eine Frohnatur, der uns direkt mit in die Küche nahm und in den Töpfen seine köchelnden Köstlichkeiten präsentierte. Typische Hausmannskost und sehr lecker! Die Karte war reduziert auf einige wenige Gerichte, aber das tat dem überhaupt keinen Abbruch! Dazu gab es das typische Lagerbier „Mythos“ in Gläsern frisch aus dem Tiefkühler. Für jeden, der Bier mag, ein absolut erfrischender Genuß!

 

Oberhalb des Hafens strahlte uns ein kleines Amphitheater an. Mit herrlichen Skulpturen, die sicher bei weitem nicht antik waren, sondern eher neueren Datums. Inwiefern das genutzt wurde, konnten wir leider nicht herausfinden. Auch haben wir keinen öffentlichen Weg finden können, uns das mal aus der Nähe anzuschauen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Oberhalb des Hafens strahlte uns ein kleines Amphitheater an. Mit herrlichen Skulpturen, die sicher bei weitem nicht antik waren, sondern eher neueren Datums. Inwiefern das genutzt wurde, konnten wir leider nicht herausfinden. Auch haben wir keinen öffentlichen Weg finden können, uns das mal aus der Nähe anzuschauen. Vielleicht beim nächsten Mal.

 

Abenteuer Steilküste

Östlich des Ortes erstreckt sich eine herrliche Steilküste. Manchmal hatte man beim Blick auf die Berge den Eindruck im wilden Westen zu sein! Der Strand war steinig, was uns aber nicht von dem etwas wahnsinnigen Vorhaben abbrachte, an der Küste in den nächsten Ort Kokkinos Pyrgos zu wandern. „Das ist doch nicht weit! Man kann ihn ja schon sehen!“ höre ich uns noch sagen. Es waren 8 km eine Strecke und das über Kies und Steine. Teilweise mit Klettern über Stock und Fels. Und das alles in der prallen Sonne! Und wir haben uns noch gewundert, warum wir allein am Strand unterwegs waren. Glücklicherweise hatten wir ausreichend Trinkwasser und Sonnenschutz dabei, denn das brauchten wir absolut!

 

Die usrprüngliche Schönheit dieses Ortes hat uns dafür mehr als reichlich entlohnt. Ein Bad in dem glasklaren Salzwasser, umgeben von der wilden Schönheit der Berge und der Küste, war unbeschreiblich! Der Nachbarort selber war weniger schön. Absolut kein Vergleich zu Agia Galini und daher vernachlässigbar. Insgesamt haben wir an dem Tag über 16 km zurückgelegt. Waren in herrlichem Meerwasser baden und haben wilde Bergziegen kennengelernt, die uns etwas irritiert anschauten. So oft bekamen sie wohl Menschen nicht zu Gesicht. Meine – eigens für den Urlaub besorgten – Trekkingsandalen haben sich schlussendlich von ihren Sohlen verabschiedet und meine kurze Wanderhose wurde schliesslich zur schützenden Kopfbedeckung. Bereut haben wir diese Wanderung aber keineswegs! Es war ein Abenteuer!

Tavernenglück

Da wir nur Frühstück gebucht hatten und nach der langen Wanderung durchaus eine Stärkung gebrauchen konnten, machten wir uns am Abend auf die Suche nach einer geeigneten Taverne in der Nähe unseres Hotels. Wir hätten natürlich wieder im Hotel essen können, aber wollten sehr gern mal etwas anderes ausprobieren.

 

Bereits im Vorfeld hatte ich über Tripadvisor nach Möglichkeiten in der Umgebung Ausschau gehalten. Dort bin ich auf die 300 m vom Hotel entfernte Taverne „Kipos“ gestossen. Diese war auch unser Ziel. Stellte sich nur noch die Frage, ob sie in der aktuellen Zeit geöffnet hatte. Wir wurden nicht enttäuscht.

 

Ein wundervolles, familienbetriebenes Kleinod am angeschlossenen Campingplatz. Etwas versteckt, aber dank Hinweisschilder schnell zu finden und ein absoluter Geheimtipp! Direkt neben dem Pool des Campingplatzes erstreckte sich die Terrasse. Über der offenen Küche im Gebäude prangte der Spruch „Never trust a skinny cook!“. Der Koch machte dieser Aussage alle Ehre und sein Essen war hervorragend. Fälschlicherweise haben wir am ersten Abend noch eine kleine Vorspeise bestellt. Das sollte uns nicht wieder passieren, da die Portionen mehr als reichlich waren und zum Nachtisch auf Kosten des Hauses nebst einer kleinen Flasche Raki (der war nach dem reichhaltigen Essen durchaus angenehm) noch ein kleiner hausgemachter Kuchen gereicht wurde. Die Taverne selbst war verspielt mit Innen- und Aussensitzmöglichkeiten. Überall witzige Dekorationen mit Sprüchen wie „Gardening is cheaper than therapy and you get tomatoes“ oder Ähnlichem. Man saß unter Olivenbäumen und die Zirkaden gaben ihre Konzerte. Mundschutz mussten wir übrigens in keiner einzigen Bar / Taverne tragen. Noch nicht einmal im Supermarkt. Einzig die Bedienungen waren mit Mundschutz versehen. Mit der Besitzerin vom „Kipos“ kamen wir auch etwas ins Gespräch. Die Coronasituation hatte sie gezwungen einen großen Teil ihres 12köpfigen Teams entlassen zu müssen. Bis auf Weiteres. Ob sie wieder kommen können, wenn alles wieder läuft, steht in den Sternen. Die Kollegen haben sich ja durchaus um andere Verdienstmöglichkeiten gekümmert und sind daher nicht (mehr) greifbar. Ausserdem müsse man sparen, da sie von dem, was sie im Sommer verdienen, über den Winter kommen müssen. Und das wird nach ihrer Aussage dieses Jahr sehr knapp.

 

So haben sie und ihr Mann das in die Hände genommen. Gemeinsam mit ihren Kindern, die allabendlich mit anwesend waren. Eine unglaubliche Belastung, da die Taverne irgendwie immer voll war. Gerade an den Wochenenden bekam man kaum einen Platz. Sie erklärte uns, dass an den Wochenenden auch viele Griechen zu ihnen kommen und es daher so voll wird. Es sei eine Art Tradition. So sprang diese kleine, drahtige Frau tagein und tagaus wie ein Wiesel für ihre Gäste hin und her. Bis tief in die Nacht. Eine unfassbare Leistung! Denn Ruhetage gibt es dort nicht. Diese Taverne wurde zur täglichen, festen Instanz für uns. Es war ein herrlicher Gaumenschmaus (die Schnitzel und die Pasta sind der Hammer!), in der Nähe des Hotels und die Preise absolut human für die Leistung! Wichtig ist hier nur zu wissen: es findet alles in Englisch statt! Auch die – im Stil einer Kinozeitung gestaltete - Karte war Englisch und Griechisch. Wer dem Englischen weniger mächtig ist, dem ist hier zumindest du mobilen Daten und einem Online - Übersetzer zu raten.

 

Nasses Naturvergnügen

Wir sind absolute Naturmenschen und so stand es ausser Frage auch eine geführte Wandertour zu buchen. Schon von Deutschland aus haben wir die Firma Galini Express mit ihrem ruhigen und liebenswerten Chef Giorgios ausfindig machen können. Diese Firma hat ihren Sitz in Agia Galini und macht neben Transferfahrten auch diverse geführte Touren. Etwas fernab von den Touristenpfaden. Wenn man einmal in Agia Galini ist, kann man diese Touren und die Werbeschilder von Galini Express wirklich überall sehen und sich informieren. Leider standen wir jedoch am ersten Tag vor einem geschlossenen Büro. Wie so viele andere Geschäfte. Unsere Hoffnung schwand etwas, noch einen dieser Ausflüge während unseres Urlaubes mitmachen zu können. Als wir aber einen Tag später auf die Homepage von Galini Express schauten, haben wir unseren gewünschten Ausflug „Rivertrekking durch die Kourtialotis Schlucht“ schließlich finden können und gebucht. Für 35 € p.P. eine Tagestour inklusive einem kleinen Picknick und Abholung am Hotel. Im Vergleich zu den von den Veranstaltern angebotenen Ausflügen ein absolutes Schnäppchen! Die Buchung war reibungslos und ruckzuck hatten wir unseren Voucher auf dem Handy. Kontakt zu Giorgios gab es über Whatsapp und per Mail. Bezahlt wurde am Ende des Ausfluges beim Chef selbst.

 

So wirklich hatten wir ein „Rivertrekking“ noch nicht gemacht. Es ist auch nicht vergleichbar mit Rafting oder Ähnlichem, da man zu Fuß unterwegs ist. Festes Schuwerk ist Pflicht! Nur keine Badeschuhe oder gar Sandalen. Nach ca. 1 h Fahrt kamen wir beim Eingang der Schlucht an. Ein kurzer Weg führte uns zu dem Fluß, wo Giorgios uns (auf Englisch!) erklärte, dass wir uns erstmal an das Wasser gewöhnen sollten. Also raus aus den Klamotten und rein in das 16 Grad kalte, glasklare Flusswasser. Und wirklich: Es war kalt! Die Beine kribbelten und man musste wirklich einige Schwimmzüge machen, um sich daran zu gewöhnen. Aber dieses wortwörtliche „Ins kalte Wasser schmeißen“ hat absolut geholfen. Um nicht zu sagen, dass es notwendig war. Nach kurzer Zeit fühlte es sich wunderbar an und wir sprangen sogar wagemutig von den Felsen in das kühle Nass.

 

Der Weg führte uns ausschließlich durch das steinige Flussbett. Hier beweiste sich spätestens ein gutes Schuhwerk. Wir hatten Laufschuhe an. Tatsächlich glaube ich aber, dass Trekkingschuhe die bessere Wahl gewesen wären. Immerhin ist man fast ausschließlich mit den Füßen unter Wasser und auf glitschigen Steinen unterwegs. Sandalen kann ich so gar nicht empfehlen, da neben Steinen auch Sand im Flussbett ist und dieser bei Sandalen sehr schnell in die Schuhe kommt und unangenehm wird. Insofern war ich dankbar, dass ich statt der geplanten Trekkingsandalen nun doch die Laufschuhe trug. Eine dickere Sohle hat sich absolut bewährt. Ansonsten waren wir ausschließlich mit Badesachen und unseren Rucksäcken unterwegs (an Sonnenschutz denken!).

 

Die Natur war einzigartig! Ursprünglich, wild und blühend! Uralte Bäume neben blühendem Oleander, schwirrende bunt leuchtende Libellen und Schmetterlinge und dazu der glitzernde Fluss. In der Luft lag der Duft von dem blühenden Thymian und dem Oregano der Berghänge. Atemberaubend schön! Teilweise mussten wir unser Gepäck über Kopf durch das tiefere Wasser kleiner türkisblau leuchtender Lagunen tragen. Nicht ohne auch mal kurz darin zu schwimmen, wenn alles im Trockenen lag. Auf einer kleinen Lichtung haben wir schließlich mit den Füßen im Wasser und umschwirrt von zahllosen Libellen und Schmetterlingen unser kleines Picknick gehalten. 

 

Schließlich kamen wir vor dem Eingang einer Grotte an. Giorgios bat uns, unser Gepäck abzulegen. Es wäre sicher und das war es auch. Dann ging es an einem Seil ca. 1,5 m ein kleines Stauwerk hoch und schon standen wir vor der Grotte. Diese war umrandet von kleinen Wasserfällen, die in einem See vor dem Grotteneingang mündeten. Es sah zauberhaft aus. Hellblau bis türkis war das Wasser und glasklar. Giorgios erklärte uns, dass wir in die Grotte ein Stück schwimmen müssten. Nun ergab das zurückgelassene Gepäck absolut Sinn. Gesagt, getan und es erwartete uns ein unfassbarer Anblick. Eine hohe Grotte aus deren großen Öffnungen gefühlt 100 Wasserfälle nach unten plätscherten und stürzten. Ein Bild von gleisenden Sonnenstrahlen in denen das Wasser glitzerte und was um einen herum für unzählige Regenbögen sorgte. Tauben wurden von uns aufgeschreckt und flogen über uns aus der Grotte heraus. Die Wassertröpfchen sprühte förmlich in unsere Gesichter und es war schwer die Augen vollständig zu öffnen. Blinzelnd sahen wir dem Naturschauspiel gebannt zu. So viel Schönheit machte in der Tat sprachlos. Wer sich das wagte, konnte unter einem der Wasserfälle einen der kleineren Wasserfälle auf sich niederplätschern lassen. Andere schwammen fast bis an das Ende der Grotte, wo der größte der Wasserfälle tosend in die Tiefe stürzte. Ganz an den Wasserfall heranzukommen war allerdings unmöglich, da das Wasser einem das Sehen und auch Atmen nicht mehr ermöglichte. So schwammen oder standen wir inmitten von Sonnenstrahlen und von Regenbögen umringt von unzähligen Wasserfällen und staunten einfach über dieses Spektakel. Es war beinah wie im Film. Unfassbar schön, so dass Worte es kaum beschreiben können.

Nach diesem unglaublichen Naturschauspiel begaben wir uns bergauf auf den Rückweg, der uns zuerst zu dem Ursprung der Wasserfälle führte. Auf einem Plateau neben einer kleinen Kapelle konnten wir nun die Wasserfälle von oben in die Tiefe stürzen sehen. Es rauschte nur so in unseren Ohren. Ein herrlicher Anblick und kaum zu glauben, dass wir nur einige Minuten vorher unter ihnen standen.

 

Geschafft aber glücklich und um viele wunderschöne Eindrücke reicher ging es dann mit dem Bus zurück in Richtung Agia Galini.Vorher noch ein kleiner Stopp in dem wundervollen Ort Spili. Man konnte gemütlich einen griechischen Kaffee trinken, der definitiv wach machte, oder auch etwas Leckeres essen. Ein gelungener Abschluss und es war ein wundervoller Ausflug!

 

 

Auf Abwegen

Oberhalb unseres Hotels haben wir den Eingang für einen Wanderweg gesehen. Eine Woche ist relativ kurz und nebst ein paar Entspannungstagen, haben wir uns entschieden, diesen Weg zu erkunden. Inzwischen waren wir auch durchaus an das Klima, die Sonne und den doch recht starken Wind gewöhnt. Also Rucksäcke auf und los ging es. Der Weg führte uns vorbei an offensichtlich sehr alten Olivenbäumen, vielen Oregano und Thymianfeldern und den oft dazu gehörenden Bienenhäuschen. Kreta ist nebst dem Olivenprodukten für seinen eher würzigen Honig bekannt und selbstverständlich schaffte es auch ein Glas davon mit in unsere Koffer.

 

Der Anstieg war teilweise sehr stark, aber wir haben uns trotz Hitze durchgekämpft und wurden auf dem „Gipfel“ mit einer fantastischen Aussicht über die Bucht von Agia Galini belohnt. Auch hier wieder Bienenhäuschen und ihre fleissigen Bewohner, wohin das Auge schaute.

 

Wir beschlossen auf der anderen Seite den Abstieg anzugehen. Immerhin stand auf dem Schild, dass der Weg wieder nach Agia Galini führen würde. Einige Meter weiter wurden wir von einem Zaun gestoppt. Etwas verwunderlich, so mitten in der Wildnis. Als wir gerade den Rückweg wieder antreten wollten, joggte auf einmal ein sportlicher Mann an uns vorbei Richtung Zaun. Wir wurden freundlich gegrüsst und als wäre es das Normalste der Welt, öffnete er die kleine Tür des Zauns und lief dahinter fleissig weiter. Verdutzt schauten wir uns an, gefolgt von einem Schulterzucken und schon taten wir ihm gleich. Offensichtlich kannte er sich aus und so folgten wir seinem Weg. Man sah deutlich, dass der Weg eher wenig frequentiert war. Er führte uns entlang an den wunderschönsten, ursprünglichen Hängen der Berge bis zur Spitze oberhalb des Meeres. Das Staunen stand uns in die Gesichter geschrieben und mitten in Thymianbüschen, vereinzelten Olivenbäumen, summenden Bienen und zirpenden Zirkaden. Ein traumhafter Blick auf die Steilküste, bei dem man von so hoch oben bis auf den Grund des Meeres sehen konnte. Irgendwie wünschte ich mir in dem Moment genau da unten zu sein und in die erfrischenden Fluten springen zu können.

 

In Richtung Agia Galini ging der „Weg“ auf der anderen Seite des Berges weiter bergab. Wobei man ihn in diesem Falle nicht mehr unbedingt als „Weg“ bezeichnen konnte. Die Naturgewalten hatten ihn abgetragen und er ähnelte eher einem Trekkingpfad mit kleinen und großen Ausspülungen rund um die großen und kleinen Felsbrocken. Allmählich kamen uns Zweifel, ob wir noch heil in Agia Galini ankommen würden. Aber wir waren schon so weit gegangen und um ganz ehrlich zu sein, waren wir auch unendlich neugierig. Wieder eines unserer Abenteuer!

 

So kletterten wir von Stein zu Stein und von Hang zu Hang. Ich vermisste meine Trekkingschuhe schmerzlich. Mit Laufschuhen war das durchaus eine Herausforderung, da die Schuhe weniger Grip hatten und ich immer wieder abrutschte. Wir fragten uns ernsthaft, wie unser sportlicher Jogger hier heil langekommen ist. Einen anderen Weg gab es nicht und entgegen gekommen ist er uns auch nicht wieder. Er musste also auch hier lang gekommen sein. Wir konnten uns das nicht wirklich erklären und stolperten fleissig weiter bis – Überraschung – ein Zaun uns wieder stoppte. Der Zaun erstreckte sich schnurgerade vom Fuss des Berges bis zur Spitze. Knapp 2 Meter hoch und u.a. gekrönt von Stacheldraht, sah er fast bedrohlich aus. Eine Tür gab es nicht. Offensichtlich wollte wirklich jemand verhindern, dass diese Gegend betreten wird. Nach den letzten Metern konnten wir uns auch durchaus erklären, warum.

 

Jetzt war guter Rat teuer. Zurück war keine verhandelbare Option. Agia Galini war fast zum Greifen nah, nur dummerweise ausschließlich über den steilen Abhang am Zaun zu erreichen. So begannen wir schließlich uns an dem Zaun förmlich hinab zu hangeln. Immer darauf bedacht in keinen der gemeinen Stacheldrahte zu fassen. Teilweise auf dem Hintern rutschend und festgeklammert am Zaun, kamen wir Meter für Meter voran. Je näher wir dem Fuss des Berges kamen, um so mehr konnten wir erahnen, dass es von dieser Seite des Zaunes nirgendwo einen Durchgang gab. Nach einigen schweißtreibenden Zaunsgast-Rutschpartien fanden wir schließlich eine Stelle, an der der Zaun unten freigelegt war. Möglich, dass sich da mal Hunde oder vielleicht auch andere verirrte Wanderer ein Loch gebuddelt hatten. Das war unsere Chance! Auf den Boden gelegt und langsam unter dem Zaun durchgeschoben! Aufatmen auf der anderen Seite und da wir schon fast unten angekommen waren, waren die letzten Meter eine Leichtigkeit. Verschwitzt und staubig fanden wir uns wieder an der Strandpromenade von Agia Galini ein und gönnten uns erstmal einen großen Cocktail direkt am Strand!

 

Abschied

Eine Woche ist unfassbar schnell rum. Sicher ist das jedem im Urlaub schon mal so gegangen. So auch uns. Am letzten Abend haben wir uns noch einmal rausgeputzt. Was heißt „noch einmal“? Im Grunde zum ersten Mal in unserem Urlaub. Wir mögen das unbeschwerte Leben im Urlaub, in dem man einfach die Haare zusammenknoten und den Maskara einfach in der Tasche lassen kann.

 

Selbstverständlich sind wir wieder in die Taverne Kipos, die uns inzwischen – nicht nur kulinarisch – ans Herz gewachsen war.

 

Unser Flug ging erst am Nachmittag und nach dem Check Out im Hotel, haben wir unsere Koffer untergestellt an der Rezeption und sind mit Bikini und Badehose im Gepäck nochmal zum Meer. Einmal Schwimmen in dem glasklaren Salzwasser und ein letztes Mythos Bier bei Ilios und schon war es an der Zeit für den Transfer.

 

 

 

Wir staunten nicht schlecht, als ein Mercedes vor fuhr und uns abholte. Offenbar waren wir die einzigen in der Gegend, die zum Flughafen transferiert werden sollten. So kamen wir in den Genuss eines herrlichen Privattransfers. Erst jetzt haben wir unsere Maske wieder aufsetzen müssen. In Griechenland wird ordentlich kontrolliert und es kostet empfindliche Strafen, wenn man sich daran nicht halten sollte. Uns störte es nicht. Eine gute Klimaanlage im Auto sorgte für Wohlbefinden und so kamen wir gut am Flughafen an. Das Prozedere war nicht groß anders, als man es gewohnt war. Auch gab es beim Boarding keine Gruppen, sondern eben einfach Busse, die einen zum Flieger brachten. Es wurde aber darauf geachtet, dass die Busse nicht zu voll waren.

 

 

 

Der Flug war super, wie auch auf dem Hinflug und nach der sanften Landung in Leipzig brachte uns der Flughafentransfer Brauer nach Hause.

 

 

 

Es waren wundervolle Tage auf Kreta, an die wir uns noch lange schwelgend erinnern werden! Bis es mal wieder heißt: Kalimera Kriti!

 

Anja Schwartz

 

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